Hechtsheimer Frankenfriedhof


Deckstein des Grabes 284 aus dem 7. Jahrhundert mit eingeritztem Kreuz

Bei Neubauten auf der Frankenhöhe kam im Bereich der Straße "An den Frankengräbern" ein Friedhof zutage, der von der Zeit um 500 bis in die 2. Hälfte des 7. Jh. benutzt worden war. In dieser Zeit war es Brauch, die Menschen in ihrem Festgewand, die Frauen mit Schmuck, die Männer mit Waffen, zu bestatten, so daß bei der Ausgrabung der Landesarchäologie manche Schätze geborgen werden konnten, z.B. ein goldenes, kunstvoll verziertes Ohrringpaar und ein silberner Löffel mit Kreuz- und Weinblattverzierung und der Aufschrift "Johannis".

Die Menschen, die hier ihre Toten beerdigten, lebten in einer Hofgruppe etwas weiter unterhalb im Bereich der Laubenheimer Straße, wo früher ein Bach dem Schinnergraben zufloß.

In den meisten der etwa 300 aufgedeckten Gräber lagen die Toten in einem Holzsarg oder auf einem Totenbett. Seit dem 7. Jh. gab es auch ummauerte oder mit mehreren Steinplatten umstellte Gräber, wie das Grab 284, das von mehreren Steinplatten umgeben und mit dieser bedeckt war. Darin lag das Skelett eines 25-35-jährigen Mannes, der um die Mitte des 7. Jh. beerdigt worden war.

Das Kreuz war auf der Unterseite der Deckplatte eingeritzt, gerade über dem Gesicht des Toten

Wir wissen aus der schriftlichen Überlieferung, daß der fränkische König Chlodwig sich zusammen mit seinen Gefolgsleuten etwa im Jahr 500 taufen ließ. Seitdem war das Christentum die Religion des fränkischen Reiches, aber es dauerte mehrere Generationen, bis die Menschen wirklich missioniert waren, das heißt, bis alle den Weg zu einem Priester finden und in der christlichen Lehre unterwiesen werden konnten. Die adligen Familien begannen auf ihren Bauernhöfen Kirchen zu stiften und Geistliche mit der Seelsorge ihrer Lehensleute zu beauftragen. Erst im 8. Jh. entwickelte Bonifatius, Bischof von Mainz, eine Planorganisation für die ländlichen Bereiche.

Hier auf der Frankenhöhe im Grab 284 begegnen wir einem Mann, der Christ war und an eine Auferstehung im Zeichen des Kreuzez glaubte. Deshalb hatte er Sorge dafür getragen, über den Tod hinaus im Anblick des Kreuzes sein Heil finden zu können.

Archäologische Denkmalpflege Mainz, Dr. Gerd Rupprecht, Dr. Gudula Zeller