Das Hechtsheimer Gemeindezentrum

Lion-Feuchtwanger-Str. 14-16

Das Gemeindezentrum

Die bereits seit 1910 formal selbständige evangelische Kirchengemeinde Hechtsheim wurde bis 1965 pfarramtlich von den jeweiligen Geistlichen der Kirchengemeinde Bretzenheim mitbetreut. Erst mit der Einführung von Pfarrer Gerhard Völpel am 23.1.1966 erlangte die Gemeinde rückwirkend zum 1. Januar 1966 auch den Status einer selbständigen Pfarrei.

Die bis dahin sehr überschaubare Gemeinde konnte mit Hilfe des Gustav Adolf-Werkes im September 1929 neben der heutigen Frühlingsschule eine kleine Kapelle errichten, die zwar den damaligen Ansprüchen gerecht wurde, die aber keinerlei Möglichkeiten einer kirchengemeindlichen Entfaltung bot. Der insbesondere in den 50er und 60er Jahren starke Bevölkerungsanstieg in den Vororten um Mainz und damit parallel dazu auch in unserer Kirchengemeinde erforderten daher dringend die Schaffung neuer und ausreichend bemessener Räumlichkeiten.

Das heutige Gemeindezentrum ist das Ergebnis eines 1966 ausgeschriebenen Bauwettbewerbs, das sich aufteilte in ein Gemeindehaus mit Kirchsaal und Jugend- und Nebenräumen, einen 3-gliedrigen Kindergarten, ein Pfarrhaus und einen Küster- und Mitarbeitertrakt. Da es ein besonderes Anliegen des damaligen Kirchenvorstandes war, zunächst Räume zu schaffen, die eine soziale Aufgabe und Wirkung in der Öffentlichkeit zu erfüllen hatten, wurden in einem im April 1967 begonnenen 1. Bauabschnitt der Kindergarten, das Pfarrhaus und das Mitarbeiterhaus verwirklicht, die im wesentlichen im Oktober 1968 fertiggestellt waren.

Der 2. Bauabschnitt konnte aus finanziellen Gründen der kirchlichen Gremien erst am 5. April 1974 in Angriff genommen werden. Die Einweihung der Gemeinderäume erfolgte nach eineinhalb Jahren Bauzeit am 19. Oktober 1975.

Mit der Fertigstellung des Gesamtkomplexes waren endlich die Voraussetzungen für eine gedeihliche Entwicklung gemeindlicher Aktivitäten und damit einhergehend einer Stärkung der Identität der Kirchengemeinde in der Öffentlichkeit gegeben.

Geplant wurde das Gemeindezentrum von Architekt Ulrich Wohlgemuth aus Worms. Die Bestuhlung und sonstige Ausstattung des Gottesdienstraumes wurde ausschließlich aus Spenden der Gemeindeglieder finanziert. Die ursprünglich die ehemalige Altarwand und heute das Foyer schmückende große Holzplastik schuf 1975 der Ludwigshafener Künstler Rudolf Scharpf. Auch wurde das Holzkreuz der alten Gustav Adolf-Kapelle als liebe Erinnerung und Mahnung an die zurückliegenden schweren Jahre der kleinen Gemeinde in den Kirchsaal integriert.

Ergänzung des Gemeindezentrums durch einen Glockenturm

Obwohl der 1966 ausgeschriebene Bauwettbewerb für das Gemeindezentrum auch den Bau einer separaten Kirche vorsah, fehlte und fehlt der Gemeinde zu deren Finanzierung das Geld. Die Kirchengemeinde wird deshalb auch auf nicht absehbare Zeit mit den vorhandenen Räumlichkeiten auskommen müssen. Der Kirchenvorstand hat angesichts dieser Situation 1985 den Gedanken erwogen, das Gemeindezentrum durch einen Glockenturm zu ergänzen und zu dessen Finanzierung einen Glockenfond einzurichten. Die kirchenaufsichtliche Genehmigung für die Maßnahme, die ausschließlich von der Gemeinde zu finanzieren war, wurde am 12.Juni 1987 erteilt und – nachdem die Gemeindeglieder innerhalb eines Zeitraumes von nur 2 ½ Jahren neben weiteren namhaften Arbeits- und Materialspenden die erstaunliche Summe von rd. 110 000 DM durch Bargeld-Spenden aufgebracht hatten, konnten die Bauarbeiten am Turm selbst bereits im März 1988 im wesentlichen abgeschlossen werden. Am Ostersonntag, dem 3.April 1988 wurde das Dreier-Geläut im Glockenturm feierlich in Dienst genommen.

Anbau einer Apsis an den Kirchsaal

In unserem Kirchsaal, der mangels anderer größerer Gemeinderäumlichkeiten auch als Multifunktionsraum der Gemeinde dienen muss, wurde seit längerem eine wie auch immer geartete „sakrale Zone“ vermisst. Mit dem nun erfolgten Anbau einer Apsis für die Aufnahme unserer schönen Orgel sowie des Altars und des Predigtpultes ist eine ansprechende Verbindung zwischen einem Sakralraum und dem bewährten Mehrzweckraum gelungen, der dem Gesamtraum eine völlig neue Ausstrahlung verleiht.

Der erste Spatenstich für die Maßnahme erfolgte am Sonntag, dem 7.Sept.2008. Mit den Fundamentierungsarbeiten wurde am 25.Sept.2008 begonnen. Nach dem am 25.11. erfolgten Durchbruch der alten Altarwand begann am 8. 12.2008 die Montage der neuen Wand- und Trägerelemente.
Am 3.Mai 2009 wurde die neue Apsis und der renovierte Kirchsaal in einem feierlichen Festgottesdienst, in dem Dekan Jens Böhm die Predigt hielt, eingeweiht.

Rudolf Kurz